Freiheit in der Aufklärung

Die Aufklärung soll der „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (Kant) sein. Zu den Forderungen gehört:

  1. Die Befreiung von Dogmen und Vorurteilen → höhere Willensfreiheit, sittliche Freiheit
  2. Trennung von Staat und Kirche
  3. Grundrechte → höhere Handlungsfreiheit
  4. Gewaltenteilung
  5. Letztendlich Demokratie → positive Freiheit im Sinne von zur Partizipation gebotenen Möglichkeiten

Auch Aspekte wie Meinungsfreiheit wurden thematisiert, so wird Voltaire (fälschlich[1]) zugeschrieben: ,,Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen.“

Freiheitsbegriff Immanuel Kants (1724-1804)

Nach Kant ist Freiheit nur durch Vernunft möglich, denn ansonsten würde der Mensch einfach seinen Trieben folgen. Durch die Vernunft kann der Mensch Pflichtbewusst handeln (→ kategorischer Imperativ), frei zu sein meint nach Kant, sich moralisch zu verhalten. So werden Freiheit und Pflicht Synonyme, Lustentscheidungen sind ausgeschlossen (sie halten sogar von der Freiheit ab). Sobald der Mensch etwas mit seiner Vernunft als richtig erkennt (wobei auch spätere Folgen durch die Vernunft geprüft werden), ist er frei, auch wenn tatsächlich keine Handlungsoption besteht. Diese Freiheit ist nach Kant die praktische Freiheit und mit kausaler Determiniertheit vereinbar. Freiheit liegt auch darin, dass der Mensch selbst die Pflicht setzt, also entscheidet, was er in seiner eigenen Vernunft als richtig oder falsch erkennt, wobei er dabei nicht die gleiche Freiheit des anderen einschränken darf. Dies ist transzendentale Freiheit, bei welcher Ketten von Ereignissen angefangen werden – dies ist nicht mit dem kausalen Determinismus vereinbar und nach Kant spekulativ.

Praktische Freiheit = Entscheidungen basieren auf vernünftigen Überlegungen

Transzendentale Freiheit = diese Überlegungen sind auch frei

Um beide Freiheiten zu ermöglichen, ist der Mensch nach Kant zum einen Teil der Erfahrungswelt – in welcher durchgängiger Determinismus herrscht – und Teil der Noumena – der Welt der Dinge an sich. Da die Dinge an sich nicht zeitlich sind, ist der intelligible Charakter des Subjekts nicht determiniert. Allerdings ist dann wieder die Frage, wie diese Welten vereinbar sind und es ergeben sich neue Widersprüche (zum Beispiel wie die Welt der Dinge an sich überhaupt auf die Erfahrungswelt wirken kann).

[1] Evelyn Beatrice Hall schrieb Voltaire diesen Satz in ihrer Biografie zu ihm zu (I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it.)

Empfehlungen
Stefan Zweigs Werke

Anmerkungen oder sonstige Ideen und Vorschläge können Sie gern per Mail an beitragen@lernzettel.org bzw. fehler@lernzettel.org senden.