Rezension zu Fast Genial (kurz)

Benedict Wells´ Adoleszenzroman ,,Fast Genial” thematisiert auf der Handlungsebene die Suche eines in ärmlichen Verhältnissen lebenden Jugendlichen nach seinem vermeintlich genialen Vater und in der Metaebene die Suche nach seinem Selbst. Der Protagonist versucht seiner sozialen Lage zu entfliehen, sieht den Weg hierzu allerdings außerhalb seiner Verantwortung. Sein Scheitern könne nur durch den äußeren Einfluss des genialen Vaters oder den Zufall, nicht aber durch ihn allein verhindert werden. Hierbei wird eine sozial starre Gesellschaft, in welcher zwischenschichtliche Beziehungen zumindest auf lange Sicht nicht möglich sind, portraitiert. Die Beziehungen des Protagonisten scheinen der gesellschaftlichen Differenz und den einhergehenden Ressentiments nicht standhalten zu können. Doch ist der Zusammenbruch der Beziehungen nicht hauptsächlich selbstverschuldet? Inwiefern bestimmen wir unsere Situation, inwiefern bestimmt sie uns?

All diese Fragen zeigen, welch eine gesellschaftliche und persönliche Aktualität dem Roman zugrunde liegt. Diese sozialen Fragen ergeben verbunden mit der Selbstfindung des Protagonisten, der Liebesbeziehung, der Initiationsreise und dem sprachlich ansprechenden Stil ein lesenswertes Buch, dessen Gesamteindruck lediglich durch die teils wenig realistisch wirkende Handlung gemindert wird. So ist der vorhergesehene durch einen Retter ermöglichte hohe Gewinn in einem Casino und das darauffolgende Spiel in einem exklusiven Bereich als unwahrscheinlich einzustufen. Darüber hinaus stellt die Distanz der Lage des Protagonisten zu der der meisten Leser eine gewisse Hürde dar.

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