Zusammenfassung zur Rechtfertigungslehre

Die Rechtfertigungslehre fragt, wie das durch Sünden des Menschen belastete Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen in Ordnung kommen kann. Die Rechtfertigungslehre geht davon aus, dass der Mensch Gottes Anspruch nicht gerecht werden kann. Nach den Reformatoren kann der Anspruch nicht durch gute Taten (Werkgerechtigkeit, bzw. die Erfüllung von Beichtauflagen), sondern nur durch die Gnade Gottes, auf die man vertrauen müsse und angewiesen sei erfüllt werden kann.

Dies geschieht besonders mit Bezug auf Paulus Schriften, zum Beispiel Röm 3, 28: Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes.

Die Rechtfertigungslehre lässt sich besonders gut mit Luthers ,,Exklusivpartikeln” zusammenfassen, welche alle mit solus / solo (allein) beginnen.

Sola gratia

Allein durch Gnade lässt uns Gott an seinem Reich teilhaben. Er nimmt uns ohne unser Zutun an, die Gnade ist extra nos (außerhalb von uns). Der Mensch kann die Gnade nicht erzeugen, sondern nur empfangen. Dies ermöglicht ihn dazu, Gottes Liebe weiterzugeben. Gott liebt den Menschen (wie Eltern ihre Kinder) einfach weil er existiert.

Sola fide

Allein durch den Glauben. Der Mensch soll sich fallen lassen, sich Gott anvertrauen. So wurde auch Abraham allein durch den Glauben gerecht. → Geschenk der Gnade

Sola scriptura

Allein durch die Schrift. Das Evangelium / die Bibel offenbart Gottes Gerechtigkeit. Taufe und Abendmahl gehören für Luther als visibile verbum dazu.

Solus christus

Allein durch Christus. Christus ist der Mittler zwischen Gott und Mensch, nur er bricht die Macht von Sünde und Tod. In seinem Tod nimmt er die Sünde der Menschen auf sich.

Paulinische Rechtfertigungslehre

Inwiefern Jesus (Gott in der Trinität) durch seine Kreuzigung für die Menschen gehandelt haben könnte, beschäftigte die Urgemeinden. Mit der Rechtfertigung des Menschen beschäftigte sich besonders Paulus.

Paulus sieht Jesu Tod am Kreuz als eine Art Freikauf des Menschen von der Sünde. Er beschäftigte sich auch damit, ob die Rechtfertigung auf dem Glauben an Christus oder Einhalten der Regeln der Tora erfolgt und beantwortet, dass Gottes Gerechtigkeit für alle, die glauben, gilt. Niemand kann vor Gott bestehen und keiner hat einen Vorteil, alle sind auf seine Gnade angewiesen, alle stehen unter der Macht der Sünde. Gottes Gerechtigkeit zeigte sich zum Beispiel in Tod und Erweckung von Jesus Christi. Der Mensch wird durch Gott gerecht (Gottes Gnade). Gottes Zuwendung ergreift der Mensch im Glauben. Alle Glaubenden sind vor Gott unendlich wertvoll. Auch Unbeschnittene sind mit inbegriffen, da Abraham vor seiner Beschneidung von Gott auserwählt wurde. Allerdings steht diese These im direkten Widerspruch zu: ,,Ein Unbeschnittener aber, der nicht beschnitten wird an seiner Vorhaut, soll ausgerottet werden aus seinem Volk; meinen Bund hat er gebrochen.“ (1. Mose 17, 14).

Luther und die göttliche und menschliche Gerechtigkeit

In menschlichen Lehren wird behandelt, wie man vor diesen gerecht wird. Das Evangelium offenbart die Gerechtigkeit Gottes (wie man vor Gott gerecht wird). Gottes Gerechtigkeit ist nicht die Gerechtigkeit, durch die Gott gerecht wird, sondern die, durch die er uns gerecht macht (Glaube an das Evangelium). Gott schafft durch seine Gerechtigkeit Gerechte. Die Gerechtigkeit der Menschen folgt aus den Werken (Werkgerechtigkeit), die Gottes geht dem Werk voraus. Gott ist gerecht und tut deswegen gutes, nicht andersherum.

Vergleich Paulus / Luther

Paulus

Luther

an Juden- und Heidenchristen

an alle

Jesus Christus verkörpert Gerechtigkeit

durch Gott gerecht

differenziert zwischen menschlicher und göttlicher Gerechtigkeit

Gemeinsamkeiten

alle sind Sünder

Glaube an Gott / Jesus rechtfertigt

Schuld durch Glauben genommen

Luther - Christus allein

Christus steht in der Mitte der Kirche. Zur Befreiung wird man durch über Bitten und Flehen hinausgehendes Vertrauen und Gemeinschaft und über die Veränderung des Geschehens in der Gesellschaft, im eigenen Leben. Wir sind immer sündig und müssen uns reformieren. Christus hilft.

Werkgerechtigkeit

Ansicht, man könne vor Gott gerechtfertigt sein, wenn man gute Werke tut. Luther lehnte dies ab und betont die Rechtfertigung aus der Gnade Gottes im Glauben an den erlösenden Tod und die Auferstehung Christi.

(Gegenentwurf: Prädestinationslehre (jeder zu Seeligkeit / Verdammnis bestimmt).

In Jesu Tod und Auferstehung vollzieht Gott die Wende zur bedingungslosen Barmherzigkeit, was dem Menschen evangelische Freiheit verschafft. (paulinische Freiheitsreflexion)

Selbstgerechtigkeit

Selbstgerechtigkeit bedeutet sich mit anderen zu vergleichen und immer wieder zu der Überzeugung zu gelangen, sich selbst besser an die Sitten zu halten. Problem im Christentum: Gegensatz viele Regeln / alle sind sündig

,,Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden”

Theodizee

Wie kann Gott allmächtig und trotz seiner scheinbaren Inkonsistenz im Handeln bzw. seinem Nichthandeln gut sein.

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