Stellt 9/11 einen zeitgeschichtlichen Einschnitt dar?

Am 11.09.2001 starben durch Terroranschläge auf das Pentagon und das World Trade Center circa 3000 Menschen - etwas weniger als die durchschnittliche monatliche Anzahl an Verkehrstoten in den USA. Inwiefern lässt sich dieses Ereignis als zeitgeschichtlicher Einschnitt werten?

Allein an der Anzahl der Opfer am 11.9 - wie der obige Vergleich andeutet - sicherlich nicht, doch bei dieser Evaluation sind andere Argumente von höherer Bedeutung. 9/11 veränderte weder die Weltordnung, noch langzeitig wirkende Faktoren wie Hunger oder den Klimawandel, doch das Bild der in die Twin Tower fliegenden Flugzeuge brannte sich in das Gedächtnis der westlichen Welt ein. Durch den technischen Fortschritt in Echtzeit medial verfolgbar war ein Symbol der kapitalistischen westlichen Welt angegriffen worden und offenbarte, dass selbst die Monopolmacht USA verwundbar war. Dieser psychische Einschnitt bedingte das folgende politische beziehungsweise militärische Handeln und dessen fehlende beziehungsweise unterdrückte Hinterfragung. Schröder und die internationalen Gemeinschaften sagten den USA zumindest anfangs ihre Solidarität zu, die Ereignisse ermöglichten die ,,Legitimierung” des Afghanistan- und Irakkriegs - mit insgesamt bis zu 700.000 Todesopfern -, Terrorismus und auch Migration stiegen in der politischen Agenda nach oben. Die beiden angesprochenen Kriege führten außerdem einerseits zu einer nachhaltigen Destabilisierung des Nahen Ostens - geprägt von Bürgerkriegen und Terrorismus und andererseits zu dem Aufkommen einer pazifistischen Bewegung in Deutschland.

Wird ein zeitgeschichtlicher Einschnitt als ein Ereignis definiert, welches die spätere Geschichte maßgeblich beeinflusst, so ist 9/11 hauptsächlich wegen der Bedingung zweier Kriege und deren Folgen als ein solcher Einschnitt zu bezeichnen.

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